Prätherapeutisches Focusing (PTF)

Prätherapeutische Focusing (PTF) verbindet die Haltung und Seinsweise der Focusingtherapie mit der achtsamen Würdigung des eventuell prä- expressiven Verhaltens und Seins unseres Gegenübers oder bei uns selbst.

Prä-expressiv soll hier bedeuten, dass wir davon ausgehen, dass der betreffende Mensch etwas empfindet, etwas spürt und erlebt, aber im Moment dazu noch keinen Kontakt hat und es daher nicht ausdrücken kann. Wir widmen uns als Begleiter gegenüber Menschen mit Beeinträchtigung von Kontakfunktionen immer wieder ganz achtsam ihren Bemühungen, mit sich oder der Umwelt in Kontakt zu kommen.

 

Wenn wir selbst keinen guten Kontakt zu uns und unserer Umwelt haben, z.B. durch erhöhten Stress, Unruhe, starke Niedergedrücktheit, Angst oder überstarke Teilpersönlichkeiten, kann uns prätherapeutisches Focusing wieder zu mehr Ruhe und Entspannung verhelfen, wir bekommen wieder Kontakt zu uns selbst und unserer Welt.

Wenn es für uns dann stimmig erscheint, können wir mit Focusing weiter machen, um zu schauen, was hinter unserer Kontaktbeeinträchtigung steckt.

 

Die Methode ist eine Weiterentwicklung des personenzentrierten An­satzes nach Rogers. Modifiziert, um mit Menschen in Kontakt zu kommen, welche durch Kontaktstörungen nicht in der Lage sind, das Beziehungsangebot von Therapeuten, Pflegekräften oder Angehörigen anzunehmen.

 

Prätherapeutisches Focusing bietet die Möglichkeit einen Menschen, der durch Trauma, Psychose oder Demenz zeitweilig keinen oder nur wenig Kontakt zu seinen Affekten, seiner Situation oder zum Therapeuten hat, personenzentriert zu begleiten und damit oftmals seine Kontaktfähigkeit zu erhöhen.

 

Es geht darum, eine Brücke in die Welt von Menschen mit eingeschränkten Kontaktfunktionen zu bauen, da diese oftmals nur sehr eingeschränkt in der Lage sind Kontakt zu ihren eigenen Affekten oder zu anderen Menschen aufzunehmen.

 

Bei Menschen mit weit fortgeschrittener Demenz oder in der Sterbephase können die Kontaktfunktionen drastisch reduziert sein. Wenn es also ganz klar ist, dass es nichts mehr zu thera­pieren gibt, wenn es vor allem darum geht, diese Menschen zu begleiten und ihnen einfühlsam Kontakt an­zubieten, kann diese Methode eine große Unterstützung sein. Sie kann uns dabei helfen unsere Sprachlosigkeit zu überwinden. In solchen Fällen geht es vorrangig um das „Miteinan­der-Sein“ – in Prouty’s Worten, um die „existenzielle Einfühlung“.

 

Prätherapeutisches Focusing kann die Arbeit von vielen Menschen bereichern, vor allem wenn wir Menschen als Mitmenschen nicht mehr erreichen, sie uns sozusagen verloren gehen.

 

 

Haben Sie Fragen zur Methode oder zu einer Ausbildung, dann kontaktieren Sie mich bitte. Ich freue mich auf Sie.

 

 

 

 

Prä -Therapie_igf_berlin.pdf
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